Zwei grundlegend gegensätzliche Artikel sollen die Wertschätzung der Ära Pep Guardiola als Trainer beim FC Bayern München analysieren und für den Leser aufhellen…

Um die Leistung Guardiolas in seinem dreijährigen Engagement beim FC Bayern München würdigen zu können, sind eigentlich verschiedene Positionsbetrachtungen notwendig.
Hat er die Erwartungen des Arbeitgebers erfüllt? Hat er die Fans erfüllt? Hat er den FC Bayern München sportlich weiterentwickelt? Wo waren seine Fähigkeiten und wo seine Grenzen? Ist er ein Weltklassetrainer, war er taktisch seinen Wettbewerbern Carlo Ancelotti, Luis Enrique oder Diego Simeone überlegen oder wenigstens gleichwertig?
In zwei völlig gegensätzlichen Artikeln, jeder für sich eigentlich schlüssig, soll das Leistungsbild Guardiolas mehr Konturen erhalten. Auch danach bleibt bestehen, es kommt auf den Betrachtungsstandpunkt an, ob Guardiola für die Bayern Top oder ein Flop war.

Teil 1: Drei Jahre Guardiola ein voller Erfolg für den FC Bayern München

Die Erfolgsgeschichte FC Bayern München erreichte unter Trainer Pep Guardiola einen neuen Höhepunkt. Dreimal deutscher Meister auf nationalem Parkett und dreimal im Halbfinale der Königsklasse des Fußballs, der Champions League sind eine ganz außergewöhnliche Erfolgsbilanz. Parallel dazu etablierten die Managementstrategen des FC Bayern München den Club nachhaltig als Fußball-Weltmarke.

Das Management der Münchner hat seit Jahren, ja Jahrzehnten, geführt von dem Oberprotagonisten Uli Hoeneß, phantastisches geleistet. Ohne die gleichen Waffen zu besitzen ist es gelungen zu den weltweit ganz großen Teams Real wie Madrid, FC Barcelona und Manchester United aufzuschließen und sogar Legenden wie den AC Mailand, Juventus Turin oder Chelsea und Arsenal London abzuhängen. Und dies obwohl die meisten davon von Industriellen, Staatspräsidenten, russischen Öloligarchen oder Wüstenscheichs mit unendlich viel Geld zugeschüttet werden oder worden sind. Auch die Spanischen Vorzeigeclubs hatten so ihre Privilegien die deutsche Mannschaften niemals besitzen. Einzig Manchester United hat sich wie der FC Bayern sein sportliches und finanzielles Weltklasseniveau über Jahrzehnte hinweg gezielt und umsichtig aufgebaut.

Bayern München als Fußball-Weltmarke etabliert
Herausragend in München, wie man zu einem eigenen Vorzeige-Stadion kam und wie man einen Sponsorenpool der internationalen Spitzenklasse um sich etablierte. Aber hier geht es nicht um Geschenke, sondern hier werden nachvollziehbare Gegenleistungen erbracht. Adidas, Audi und Allianz zum Beispiel haben mit Ihrem Engagement beim „Mia san mia“-Club deutliche Bekanntheits- und Imagezuwächse, die sich dort in Mark und Pfennig auszahlen, eingefahren.
Der FC Bayern hat, die großen englischen Teams als Vorbilder genommen, das Marketing über Jahre hinweg auf dem ganzen Erdball strategisch ausgebaut. Japan-, USA- oder Asienreisen mit mehreren spektakulären Auftritten auf und neben dem Spielfeld gehören zur sich jährlich wiederholenden Selbstverständlichkeit. Ergebnis ist, dass man heute über ähnliche finanzielle Mittel verfügt, wie die großen internationalen Wettbewerber. Aber und das macht die breit aufgestellte Funktionärsriege besonders stolz, alles ist selbstverdientes Geld.
Trotzdem war der FC Bayern München im Vergleich zu den Königlichen aus Madrid, den Katalanen, die sich die Weltfußballer für immer verrückter werdende Summen gleich reihenweise einkaufen oder zum Berlusconi-AC Mailand, bis vor kurzem ein Provinzclub. Regierten dort durchgängig Glamour und Seide, so trat Hoeneß bei Werbefilmen am liebsten in der Trainingsjacke auf.
Entsprechendes kann man an der Entwicklung der Mannschaft ablesen. Auf dem deutschen Markt konnte sich Bayern München zwar immer die besten Spieler leisten, doch auf internationaler Ebene entschieden sich sämtliche echte Weltstars, um die die Münchner gebuhlt haben für Spanien, Italien oder England. Robben und Ribery sind da kein Gegenbeispiel, denn sie waren internationale Ladenhüter. Robben war bei Real Madrid als Dauerverletzter aussortiert und mit Ribery wollte so manches Team nicht gerne zusammenspielen. Mit Engelsgeduld und schützender väterlicher Hand gelang es Hoeneß & Co beide Spieler kurzzeitig und gleichzeitig auf fußballerischem Weltklasseniveau zu hieven. Zusammen mit dem „heimischen“ Korsett Neuer, Lahm, Boateng, Alaba, Schweinsteiger, Müller und etwa Gomez, demütigte man dann den FC Barcelona historisch unübertreffbar im Halbfinale in zwei Spielen mit 7:0 und gewann das Finale der Champions League gegen Dortmund.

Und dann kam die internationale Trainer-Lichtgestalt Pep Guardiola, als Mittelfeldstratege und als Trainer, beides beim FC Barcelona, elegant, eigensinnig-genial und megaerfolgreich. Der erste Weltklassemann um den sich auch die Konkurrenz geradezu riss und der sich für den FC Bayern entschied. Guardiola kam ob seiner Erfolge schon als Legende. Auf einmal blickte die ganze Welt, und das ist nicht einfach so dahin geschrieben, auf den FC Bayern München. Nun galt es unter diesem neuen internationalen Beobachtungsdruck Leistung zu zeigen. Guardiola und seine Helfer zeigten Stärke. Mit dreimal Deutscher Meistertitel, zweimal DFB-Pokalsieger und dreimal Champions League Halbfinalist bestand man die Aufnahmeprüfung in der Weltliste der Marken mit bravour. Selbst die neue Situation, dass die Gallionsfigur des FC Bayern München, Uli Hoeneß in unangenehmster Weise nicht zur Verfügung stand, konnte kompensiert werden. Und gleich reihenweise schlossen sich internationale Stars und Talente dem FC Bayern an. Thiago, Alonso, Costa, Coman und dem Aufsteiger 2016 Vidal wären so ohne dem Matador Guardiola nicht möglich gewesen.

Wenn Guardiola jetzt geht und den Stab an Ancelotti weitergibt hinterlässt er zudem keinen Scherbenhaufen, sondern hochkarätiges fußballerisches Potential.

Teil 2: Drei Jahre Guardiola – Flickwerk in der Champions League

Phase „ – 2“ zwei Jahre vor Amtsantritt
Entwicklung des Systems der Balldominanz und Guardiolas Werdegang

Phase „ – 1“ ein Jahr vor Amtsantritt
Desaster und Weltklasse innerhalb zweier Spieljahre

Phase „+- 0“ Amtsantritt
Die Sensation: „Guardiola kommt zum FC Bayern“ – Aber er hatte gar keine echte Alternative

Phase „+ 1“ Guradiola begeistert
Erste Vorrunde unter Guardiola Saison 2013/14 – „Chapeau“ Guardiola – großes Theater

Phase „+ 2“ Real Madrid Desaster
Erste Rückrunde unter Guardiola Saison 2013/14 – Der erste Untergang

Phase „+ 3“ Nichts Neues, das erste Jahr wiederholt sich weitere zweimal
Dritte Vorrunde unter Guardiola 2015/2016 sogar mit noch besseren Spielern

 

Phase „ – 2“ zwei Jahre vor Amtsantritt
Entwicklung des bahnbrechenden Systems der Balldominanz beim FC Barcelona durch holländische Trainer
Guardiolas Karriere findet ausschließlich beim katalanischen Vorzeigeclub statt

Die Spielweise des FC Barcelona wurde in den letzten 25 Jahren von den holländischen Trainern Johan Cruyff, Louis van Gaal und Frank Rijkaard geprägt, insbesondere von ihnen das System der absoluten Balldominanz entwickelt. Guardiola spielte in seiner besten aktiven Zeit beim FC Barcelona. Er war dort die dominante Figur im Mittelfeld, der unumstrittene Führungsspieler. Diese Rolle konnte er aber in der spanischen Nationalmannschaft nicht erreichen. Der aus der eigenen Jugendschmiede kommende Guardiola debütierte als 19-jähriger im A-Team des FC Barcelona. Johann Cruyff, der eigentliche Begründer des neuzeitlichen Fußballs, war damals sein Trainer. Del Bosque übernahm von ihm das System des FC Barcelona für die spanische Nationalmannschaft, da die Katalanen auch dort das Gros der wichtigen Spieler stellten. Damit wurde Del Bosque zweimal Europameister und einmal und erstmals mit den Spaniern Weltmeister. Als später Guardiola als Trainer aus der B-Elf von Barcelona  in die A-Elf aufrückte perfektionierte er das vorgefundene System und setzte dabei neue Maßstäbe. Durch zwei Champions League Erfolge und hohe Siege gegen europäische Spitzenmannschaften bekam Guardiola bald den Ruf als bester Trainer der Welt. Mit dem System der Balldominanz beherrschten die Spanier auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene eine komplette Ära. Alle beteiligten Mannschaften hatten aber, obwohl vom Prinzip nach vorne ausgerichtet, Weltklasse-Defensivleute, die selbstbewusst, knallhart, zweikampfstark und spielerisch exzellent auftraten. Genannt seien hier Puyol, Piqué, Mascherano oder Ramos. Guardiolas ganze Fußballwelt als Spieler von der Jugend bis in die 1. Mannschaft, dort als Kapitän und Spielmacher ebenfalls dominant und als Trainer fand de facto ausschließlich beim FC Barcelona statt.


Phase „- 1“ ein Jahr Guardiola

Der FC Bayern München wird in der Saison 2011/2012 unter Trainer Jupp Heynckes abgewatscht
Der FC Bayern München gewinnt unter Trainer Jupp Heynckes in der Saison 2012/2013 alles (das Triple)

Louis van Gaal bringt dem FC Bayern München als Trainer das Dominanzspiel der Spanier bei. Er veränderte wie kein anderer Trainer das Spielsystem der Münchner. Alle nachfolgenden Trainer bauten auf diesem Spielsystem auf.

Saison 2011/12: Klopp wird mit Borussia Dortmund zum zweiten Mal hintereinander Deutscher Meister und dominiert klar den fassungslosen Seriensieger. Den „Stern des Südens“-Fans bleibt nur ein ungläubiges Staunen. Höhepunkt des „Ausziehens der Lederhosen“ war nach zwei 1:0 Siegen in der Meisterschaft eine 5:2 Klatsche in Berlin im DFB-Pokal-Finale. Trainer Heynckes verspielt auch das Champions League Finale gegen ein extrem schwaches Chelsea London, ausgerechnet und sogar in der eigenen Allianz-Arena. Heynckes machte während der gesamten Saison entscheidende Fehler. Dabei degradierte er Thomas Müller zum Ende der Saison zum Ersatzspieler. Als dieser im Champions League Finale dann doch ran musste und mit Abstand gefährlichster und stärkster Angreifer des FC Bayern war, wechselte er ihn noch während der regulären Spielzeit aus. Noch dazu hatte Müller das Tor zum 1:0 der Bayern gemacht. Sport Manager Christian Nerlinger musste gehen und eigentlich der Trainer auch, doch hier war das Angebot auf dem Markt nicht ergiebig. Bayern fand keinen Wunschkandidaten. Man ersetzte nur Nerlinger durch Matthias Sammer, der aber selbst auch ein erfahrener und erfolgreicher Trainer ist. Dabei wurde Sammer mit mehr Kompetenz, auch in die Mannschaft hinein, ausgestattet. Mit ihm zur Seite sollte Heynckes die vielen Fehler der Vorsaison nicht wiederholen. Welch ein Wunder, Heynckes machte in der nun folgenden Saison keine Fehler mehr und holte mit Berater Sammer an der Seite alle vier Titel: Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Champions League und Weltpokal. Eine entscheidende Änderung in der Erfolgssaison 2012/13 war, dass Heynckes/Sammer in wichtigen Spielen, gegen starke Gegner, die Abwehrviererkette mit einer dominanten Doppelsechs stärkte.

Die vorhandenen Spieler der Viererabwehrkette waren zwar herausragende Fußballer, Klasse im Spiel nach vorne, Klasse, wenn sie den Gegner einschnürten und kurz hinter der Mittellinie schon mit dem Abwehrpressing beginnen konnten. Aber sie waren auch ohne echten Abwehrchef und schnell verunsichert, wenn richtig starke Teams Druck auf das Bayerntor machen konnten. Wem es gelang den FC Bayern in den eigenen Strafraum zu stellen hatte ein zu leichtes Spiel, hier war der FC Bayern München weit weg von einer internationalen Spitzenklasse. Das Bild, das man in der damaligen Zeit von Boateng, Dante, Lahm, Alaba und Co hatte, täuscht, da es sich aus der Vielzahl der Spiele  in der Bundesliga und den ersten Runden der Champions League bildete. Die Gegner igelten sich hinten ein und feierten eine knappe Niederlage schon als Erfolg. Die in der Defensive nicht geforderte Abwehr schaute viel besser aus, als sie war.

Die Doppelsechs bildeten bei den wichtigen Spielen gegen Europas Granden Schweinsteiger und Martinez, beides Spielgestalter, Leitwölfe und wenn es sein musste Abräumer. Martinez hatte Sammer gezielt geholt, auch um das Team auf den nächsten Trainer, vielleicht Guardiola vorzubereiten. Es war ja klar, dass nach der Pleite 2011/12 Heynckes nach der Saison 2012/13 gehen musste. Dass man mit dieser Not-Konstellation alles gewann war selbst für die Topfunktionäre nicht zu erwarten und brachte die Vereinsführung auch gehörig in Erklärungsnot. Der Einfluss Sammers wurde nach außen nicht diskutiert, da das ungeschriebene Gesetz, dem Trainer nicht hineinzureden, dagegenstand. Wie wichtig die Sammersche Doppelsechs war ist leicht zu erkennen. Man muss sich nur die ersten 25 Minuten gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League und gegen Dortmund im Finale ansehen. Trotz hinterher überzeugenden Siegen kam man in der Anfangsphase der Spiele schwer unter Druck. Boateng und Co waren in der Spieleröffnung ein einziger verunsicherter Schwimmverein. Aber Schweinsteiger und Martinez spielten dann in der Abwehrkette oder sogar noch dahinter und beruhigten das Spiel.


Phase „+- 0“ Amtsantritt
Die Sensation: „Guardiola kommt“ – Aber er hatte gar keine echte Alternative

Guardiola hatte sich in Barcelona eine Auszeit genommen. Er wollte sich bei der Suche nach einer neuen Mannschaft Zeit lassen. Zu Bayern München bestanden schon Kontakte. Aber Guardiola brachte sich als brasilianischer Nationaltrainer für das Weltmeisterschaftsjahr ins Gespräch. Die Aufgabe hätte ihn gereizt und bei einem Erfolg mit den Brasilianern im eigenen Land wäre er zusammen mit der Erfolgsstory Barcas als Trainer unsterblich geworden. Die krisengeschüttelten, erfolglosen und verunsichert fußballspielenden Brasilianer hatten zudem in der Verbandsführung völligen Realitätsverlust und so im blinden Nationalstolz entschieden, dass sie im eigenen Land auch mit einem brasilianischen Trainer antreten wollen. Das Ergebnis, das im historischen 7:1 Debakel gegen Deutschland seinen Höhepunkt fand, ist bekannt.

Nach der Absage der Brasilianer kam die Zusage beim FC Bayern. Dies war aber eigentlich logisch. Nur der FC Bayern spielte als einzige Mannschaft schon seit der Umstellung durch van Gaal das Barcelona–Balldominanz–Spiel und zwar bereits ziemlich exzellent, was das Triple bewies. Hier konnte er wie bei seinem Amtsantritt in Barcelona aufsatteln und verfeinern und musste  nicht erst  über Jahre Basisarbeit verrichten. Wäre er damals nach England oder Italien gegangen, hätte er erst einmal zwei Jahre gebraucht, um auf sein Spiel umzustellen und die dafür notwendigen Spieler erst einzukaufen. Bayern war damals defacto alternativlos. Erwähnenswert ist, dass van Gaal, der das Balldominanz-System mitkreiert hatte, in dieser Zeit wieder auf sich aufmerksam machte. Er demontierte beim WM Auftakt in Brasilien mit einer ihn auszeichnenden, taktischen Meisterleistung seines holländischen Teams ausgerechnet die seit sechs Jahren übermächtigen und schier unschlagbaren Spanier mit einem unglaublichen 5:1 Sieg. Das war der Anfang vom Ende der Spanien-Ära. Von dem Schock erholte sich das Team und vor allem Torwart Cassilas nicht mehr und man schied bereits in der Vorrunde als Titelverteidiger aus.

Mit Guardiola Europa dominieren!
Es ist ein einfacher Schluss: Wenn eine Mannschaft alles gewinnt, die Meisterschaft, den Pokal und auch noch die Champions League und alle wichtigen Spieler an Bord bleiben und dann zusätzlich noch der beste Trainer der Welt hinzukommt, dann kann es ja nur noch besser werden. Wie ist es zu erklären, dass man unter Guardiola die zwei Halbfinalspiele seiner Amtszeit in der Champions League gegen Real Madrid mit insgesamt 5:0 verliert, während man ein Jahr zuvor das schier unschlagbare FC Barcelona insgesamt mit 7:0 in alle Bestandteile filetierte. Mit Glück und Pech ist diese Bandbreite nicht zu erklären. Guardiola hat in allen Champions League Saisonen in der entscheidenden Phase große Fehler gemacht. Dreimal schied der spanische Coach gegen spanische Mannschaften aus. War hier auch noch eine psychologische Sperre vorhanden?
Fakt ist, Guardiola trat mit dem Image eines genialen Weltklassetrainers beim FC Bayern München im Sommer 2013 an. Wenn er jetzt zu Manchester City wechselt ist der Glanzlack durch die drei Halbfinalniederlagen verblichen. Der Kader des FC Bayern hatte drei Jahre das Potential ernsthaft um den Titel mitzuspielen, doch gegen Real Madrid 2014 (0:5) und gegen den FC Barcelona (3:5) war man klar unterlegen und nicht in der Lage mitzuhalten und gegen die abgezockteste Mannschaft der Welt, Atlético Madrid, traf Guardiola bei seinem dritten Versuch gleich reihenweise falsche Entscheidungen, die auf diesem Niveau zweifelsfrei nicht reparabel sind.

 

Phase „+ 1“ Guradiola begeistert
Erste Vorrunde unter Guardiola Saison 2013/14 
„Chapeau“ Guardiola – großes Theater

In München lag man dem Weltstar Guardiola komplett zu Füßen. Er veränderte das Offensivspiel und erntete bis zur Winterpause sowohl in der Bundesliga, als auch in der Champions League durchgehend Lob. Die deutsche Fußballwelt war entzückt. Die Bayern spielten gegen ihre Gegner so gewaltig nach vorne, dass ein eigenes Abwehrspiel defakto gar nicht stattfand. Die Abwehr stand nicht im oder um den eigenen Strafraum, sondern bei über 90% des Spiels Minuten irgendwo knapp hinter der Mittellinie. Guardiola liebt es nach vorne zu spielen, den Ball zu besitzen und bei Ballverlust schon früh in des Gegners Hälfte mit der aggressiven Balleroberung zu beginnen. Keiner, bis auf Sammer, dachte zu diesem Zeitpunkt, dass sich das Drama von Heynckes vorletztem Jahr bei Bayern wiederholen könnte.

Genauso wie damals igelten sich fast ausnahmslos alle Gegner ein, auch in der Champions League. Toreschießen war für die Gegner nicht wichtig, sondern Gegentore zu vermeiden. Die Abwehr des FCB war deshalb überhaupt nicht gefordert und wirkte souverän. Guardiola wusste als Neuer beim FCB gar nicht, wie schlecht seine Abwehr ist, wenn sie am eigenen Strafraum gestellt wird, bzw. in diesen hineingedrängt wird. Auf diese Mannschaften, die dazu in der Lage sind, trifft man erst in der Endphase der Champions League. Sammer wusste es aus der Erfahrung der letzten beiden Jahre. Und schon im Herbst der ersten Guardiola-Saison 2013/2014, als man gerade reihenweise die Gegner mit tollem Angriffsspiel vernichtete, warnte Sammer, zuerst intern und dann öffentlich. Er wusste, dass sich die Katastrophe durchaus wiederholen könnte, wenn Guardiola nur nach vorne denkt und spielen lässt. Mit deutlichen Worten wurde er vom Management des FC Bayern in die Schranken verwiesen. „Wir haben jetzt Guardiola, er ist der Chef, er braucht nicht Sammers Rat“. Das Unheil nahm seinen Lauf.

 

Phase „+ 2“ Das Real Madrid Desaster und die Dortmund Heimpleite
Erste Rückrunde unter Guardiola Saison 2013/14 mit erstem Untergang

Schwerwiegende Fehler unterliefen Trainer Pep Guardiola in der Mannschaftsführung und bei Aufstellung und Taktik, was dann letztendlich für den Titelverteidiger zum Ausscheiden im Champions-League Halbfinale führte. Heute erst spricht Guardiola offen von seinen Fehlern gegen Real Madrid und übernimmt die Verantwortung (Quelle: Interview von Guardiola nach dem 0:4 Desaster von Manchester City beim FC Barcelona).

Das königliche Real Madrid, das normalerweise in Schockstarre verfällt, wenn ihnen die „La Bestia Negra“ zugelost wird, hatte überraschend leichtes Spiel. Der Demütigung ersten Ranges im eigenen Stadion setzte der umstritten gewählte Weltspieler des Jahres, Cristiano Ronaldo, mit einem „Lächerlichmach“-Tor zum 4:0 die Krone auf. Bayern München scheiterte, weil man einvernehmlich, Trainer und Vereinsführung, den Bezug zur Realität verloren hatte und sich nicht mehr, wie ein Jahr zuvor, beim Triple-Sieg auch um die vorhandenen, eigenen Schwächen gekümmert hatte, geblendet von berauschenden Siegen gegen Gegner, die nicht ansatzweise die Klasse und Cleverness der Clubs aus Madrid, Manchester, London und Barcelona haben.

Die ersten Fehler
Guardiola schaltet nach früh gewonnener Meisterschaft um in einen Schonungsmodus und experimentiert die Mannschaft ins Rückstands-Nirvana. Guardiola wird in Rekordzeit mit dem FC Bayern Meister. Er fängt an zu experimentieren und die wichtigeren Spieler zu schonen. Die Folge: Die Mannschaft kommt völlig außer Tritt und unnötige Verletzungen treten auf.

Nachdem bereits am 27.Spieltag der Titelgewinn feststand, wich Guardiola bei der Aufstellung im darauffolgenden Heimspiel gegen Hoffenheim von den üblichen Formationen ab. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch auch dieses Team funktionierte und schoss sich nach einem überraschenden 0:1 Rückstand in der 23. Minute, bis zur 40. Minute bereits mit 3:1 in Führung. Nun wurde experimentiert, oder vielleicht sogar bewusst verschlechtert, vielleicht auch um die Grenzen nach unten im Team festzustellen. Höhepunkt war dann die Einwechslung des geschonten, etatmäßigen Mittelstürmers Mario Mandzukic in das offensive Mittelfeld! Damit zerstörte er die letzte gut funktionierende Achse, das gute Zuspiel zum agilen Mittelstürmer Claudio Pizzarro. Die höflich eingeladenen Hoffenheimer erzielten dann prompt den Ausgleich zum 3:3 und Thiago Alcántara erlitt in diesem „Faschingsspiel“ eine schwere Verletzung. Ein Zusammenhang muss nicht bestehen, er ist aber auch nicht ausgeschlossen. Bei nicht ganz ernst zu nehmenden Partien liegen Schonhaltung und Übermut, gepaart mit Unkonzentriertheit, nahe beieinander, das Verletzungsrisiko steigt. Und bemerkenswert: Mit der Robbenverletzung im DFB Pokal Halbfinale ein Jahr später wiederholte sich die gleiche Inszenierung unter Guardiola.

Weitere Spiele dieser Art folgten, erinnert sei an das B-Elf Spiel in Augsburg (0:1 Niederlage). In der Bundesliga folgte kein starkes Spiel mehr. In dieser Phase, bis zu den Spielen gegen Real Madrid, lag der FC Bayern München in fünf Bundesligaspielen viermal mit 1:0 zurück und ebenso in den Viertelfinalspielen der Champions League gehen Manchester United, sowohl auswärts als auch zu Hause. Spätestens da hätte Guardiola erkennen müssen, dass seine Abwehr nicht die Qualität für seine totale Offensivausrichtung hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass dies bei immer schwerer werdenden Teams zwangsläufig zum Ausscheiden führt.

Die Real Madrid 0:5 (0:1 und 0:4) Klatsche
Hinspiel, Offensivste Ausrichtung, Ergebnis: 0:1
Im Halbfinale kam mit Real Madrid dann der erste echte Titelanwärter der Champions League. Man spielte zuerst in Bernabéu. Die Aufstellung von Real Madrid glich einer Weltelf. Konnte man aus der vorausgehenden, desolaten Spielserie so ohne weiteres erwachen? Wie muss die richtige Taktik sein? Guardiola entschied sich natürlich für sein Balldominanzspiel, die Mannschaft in Madrid war bedingungslos offensiv ausgerichtet, keine Doppelsechs, keine Abräumer vor der Abwehr. Trotz 71,7 % Ballbesitz gab es eine 0:1 Niederlage. Der siebte 0:1 Rückstand im achten Spiel. Carlo Ancelotti, Reals Trainer, war sich nicht zu schade mit seiner Weltelf zuhause defensiv zu spielen, sogar Christiano Ronaldo musste, tief stehend, Abwehrarbeit leisten.

Lahm spielte zentral vor der Abwehr (Anm.: Wie in den ersten Spielen der WM 2014 bei Löw, analog hatte die Abwehr gegen USA und Algerien gewaltige Probleme, nach Umstellung auf rechten Verteidiger war dies dort vorbei), Fighter und Champions League Sieger Martinez saß auf der Ersatzbank.

Rückspiel, wieder offensivste Ausrichtung, Ergebnis: 0:4
Trainer Guardiola wollte in München Real Madrid wieder im Sturmspiel überlaufen.
Zwischen dem 29. März und dem Tag des Rückspiels gegen Real Madrid, also innerhalb eines Monats, geriet Bayern München unvorstellbare sieben Mal, und dies nicht nur gegen Topteams, mit 0:1 in Rückstand (Hoffenheim, ManU, Augsburg, ManU, Dortmund, Real und Bremen). Dies bedeutet schlichtweg, dass die Aufstellung und Taktik für die Spieleröffnungsphase nicht funktionierte.

Folgerichtig stand es nach 16 Minuten im Heimspiel gegen Real zum achten Mal 0:1. Das Spiel war damit, nach dem 0:1 in Madrid, durch das Auswärtstor der Madrilenen gelaufen. Hauptproblem und Ausgangspunkt vieler Gegentore ist die damals völlig verunsicherte Innenverteidigung mit Jérôme Boateng und Dante, die im eigenen Strafraum zu wenige Zweikämpfe gewinnen konnten. Selbst bei Ecken, bei denen der Ball sekundenlang unterwegs ist, befinden sich die Bayern-Abwehrspieler nicht einmal in der Nähe der Gegenspieler. Völlig freistehend und unbedrängt, aus etwa sieben Metern Entfernung, fing man sich so bei Manchester United (Nemanja Vidic) und gegen Real Madrid (Sergio Ramos) jeweils mit Kopfbällen die Führungstreffer ein. Auch wenn es hart klingt, so muss man diese Zweikampfschwäche als nicht einmal zweitligareif bezeichnen. Es war von vornherein klar, dass man nicht mehr weiterkommen kann, wenn Real auch in München trifft. Trotzdem verstärkte Guardiola die Abwehr im entscheidenden Spiel gegen Real Madrid nicht, sondern spielte, und man kann es nicht anders sagen, hinten offen wie ein Scheunentor. Entsprechend schnell war das Spiel auch gelaufen. Ramos konnte zweimal de facto unbedrängt einköpfen.

Toni Kroos spielte auch nicht auf seiner angestammten Position hinter den Spitzen, dort wo er zweifelsfrei seine Stärken hat, sondern zwischen Abwehr und Offensive. Auch er ist kein Abwehrstabilisator. Bastian Schweinsteiger war alleine überfordert. In der zurückliegenden Erfolgssaison haben sich er und Javi Martinez in den „großen“ Spielen diesen Part perfekt geteilt. Stürmer Thomas Müller fand sich auch nicht auf seiner Effektivposition. Er spielte auf der Kroos Position, zentral hinter den Spitzen. Müller ist kein Spielmacher und das sichere Ballverteilen hinter den Spitzen ist nicht Bestandteil seiner Weltklasse. Mario Mandzukic hat sich zwar gut weiterentwickelt, ist aber limitiert, richtet gegen Weltklasse-Innenverteidiger wenig aus und er ist zu schwach, diese wichtigste Schaltstation des Gegners bei deren Spielaufbau effektiv zu stören. Müller hätte aufgrund seiner Laufstärke, Schnelligkeit und unangenehmen Unberechenbarkeit viel mehr Leben in das Sturmzentrum bringen und Ramos hinten binden können.

Guardiola hat, was ihn ehrt, die Schuld am Ausscheiden gegen Real Madrid dann auf sich genommen. Aber hat er auch daraus gelernt? Oder will er das gar nicht? Vielleicht will er nur sein System durchziehen?

Guardiolas zweite Saison 2013/2014
In Guardiolas zweiter Saison das gleiche Bild: Die Meisterschaft wurde so früh wie noch nie eingefahren, das noch übermächtiger erscheinende Team brach noch kräftiger ein. Man blamierte sich im Frühjahr in allen drei Wettbewerben. In der Bundesliga gab es in der Rückrunde gleich fünf Niederlagen nach ungeschlagener Vorrunde und man bekam in der zweiten Halbserie auch gleich über drei Mal mehr Gegentore. Im DFB-Pokal schied man im Halbfinale in einem Heimspiel aus und in der Champions League gab es bereits im Viertel-Finale, beim wahrlich nicht um den Titel mitspielenden FC Porto eine unerwartete 0:3 Klatsche, die eigentlich so nicht passieren dürfte. Im Halbfinale gegen Barcelona dann weiter das gleiche Bild, der FC Bayern chancenlos. Die Mannschaft, die eigentlich nach dem frühen Gewinn der Meisterschaft weniger Stress haben sollte, war wieder in der totalen Auflösung begriffen, verletzte Spieler und reihenweise Spieler, die nicht in ihrer Topform waren. Mit Sicherheit ein Irrtum ist es, bei einem solchen Einbruch alles auf Zufall und Pech zu schieben.

Um nicht schon wieder alles zu wiederholen an dieser Stelle: das stellvertretende Beispiel, wie Guardiola das neuerliche Desaster mit dem Halbfinal K.O. gegen den FC Barcelona selbst initiierte.

Guardiola degradierte das DFB Halbfinal-Heimspiel gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund mit Bayerndompteur Jürgen Klopp zur Experimentierküche für die anstehenden Halbfinalspiele in der Champions League gegen seinen Exclub FC Barcelona. Er opferte im Alleingang ein Halbfinale zu Hause und noch dazu gegen nicht besonders starke Dortmunder, um nun endlich bei der zweiten Chance gegen einen spanischen, spielstarken Spitzenclub etwas zu holen. Da Rafinha gegen Messi spielen sollte, spielte er gegen Dortmund auch auf der für ihn nicht angestammten linken Verteidigerposition. Ribery war verletzt. Die Hoffnungen lagen auf Robben, er sollte für Barcelona mit einem Einsatz in der 2. Halbzeit aufgebaut werden.

Bayern war die klar bessere Mannschaft und hätte bis zur 68. Minute höher als 1:0 führen müssen. Dann kam der Bruch im Spiel. Guardiola wechselte Thiago für Robben aus und stellte den in Genesung befindlichen Außenstürmer Robben nicht auf die Außenposition, sondern auf Thiagos Mittelfeldposition. Mit zweifacher Wirkung: Ab diesem Moment kippte das Spiel komplett zu Gunsten der Dortmunder und Robben musste auf ungewohnter Position meist ziemlich unkontrollierte Bälle, der sichtlich aus dem Konzept geratenen Bayern, verarbeiten. Das normale Passspiel funktionierte nicht mehr. Als Außenstürmer steht man an der Außenlinie und hat selbst bei Ballannahme den Gegenspieler meist im Blickfeld. Im Mittelfeld wird man im Rücken von allen Seiten angegriffen. Und das nicht Unwahrscheinliche traf ein: Robben verletzte sich erneut und musste bereits nach 16 Minuten wieder vom Platz. Das Aus auch für die Spiele gegen Barcelona! Mittlerweile war auch das 1:1 durch die Dortmunder gefallen. Dass hier Guardiola die Schuld trägt zeigen die neuerlichen Auswechslungen, mit denen er die ursprüngliche Ordnung wiederherstellte. Schweinsteiger für Müller (eine Minute nach dem Ausgleich) und Götze für Robben bedeutete, dass nun wieder jeder Spieler auf der ihm angestammten Position spielte. Bis zum Ende der Verlängerung war der FC Bayern auf einmal wieder das dominante Team. Das historische Elfmeterschießen, bei dem der FC Bayern München mit null Treffern und vier verschossenen Elfmetern herausging, war perfekt für das Selbstvertrauen für die anstehenden Barcelona Spiele. Das Ergebnis von Guardiolas selbstgemachten und völlig überflüssigen Halbfinal-Experimentierkünsten: Rafinha auf seiner ungewohnten Seite gegen Messi war ein totaler Fehlgriff, das Ausscheiden gegen Dortmund ein Selbstvertrauenskiller, den Hoffnungsträger Robben schwerverletzt nicht dabei und eine Elfmeterblamage, die auch in Barcelona Schlagzeilen machte. Bayern schied gegen Barcelona chancenlos aus.


Phase „+ 3“ Nichts neues, das erste Jahr wiederholt sich schon zum dritten Mal

Dritte Vorrunde unter Guardiola 2015/2016 mit noch besseren Spielern
Bleibt es wie es ist oder gibt es das erste Guardiola Fußball Showdown auch in der Rückrunde? Wir erlebten bereits zum dritten Mal hintereinander, dass Pep Guardiola mit Bayern München eine fantastische, mitreißende und fußballerisch brillante Vorrunde spielte. Fußballdeutschland, Fans und Journalisten, liegen dem erfolgreichsten Trainer der Welt wieder einmal zu Füßen und huldigen devot und mit sich gegenseitig überbietenden Superlativen seine außerirdischen Fähigkeiten. Scheinbar wird die Festplatte bei den meisten Journalisten in der Sommerpause jedes Mal komplett gelöscht. Denn wer eine Datensicherung durchgeführt hätte und in das Archiv sehen würde, stellt fest: Je besser die Bayern im Herbst sind, desto derber war der Absturz im darauffolgenden Frühjahr.

Was können wir nun für das dritte Frühjahr erwarten? Hat Guardiola nun endlich aus seinen großen Fehlern gelernt? Dass er ein Fußball-Trainer-Virtuose ist steht außer Frage, dem steht allerdings entgegen, dass er schon zwei Spieljahre lang den FC Bayern München nicht begriffen hat, oder vielleicht gar nicht wollte.

Dritte Rückrunde unter Guardiola 2015/2016
Guardiola kämpft um seinen Ausnahmeanspruch und nicht für den FC Bayern
Guardiola möchte dominieren, gewinnen ist ihm zu wenig! Im Halbfinale chancenlos auszuscheiden und dabei überhaupt keinen ernsthaften Gegner abzugeben, wie in beiden vorausgehenden Halbfinales ist schlichtweg zu wenig. Kann man von einem Weltklassetrainer erwarten aus seinen Fehlern, die ihm ja offensichtlich durch die Ergebnisse vor Augen geführt wurden, zu lernen? Wenn nicht, ist er entweder kein Weltklassemann, oder er verfolgt andere Ziele, die nicht den Interessen des FC Bayern München entsprechen, können. Fällt es Guardiola schwer auf die Taktik seiner Kollegen Ancelotti, Simeone oder Zidane zurückzugreifen, die ihre Teams mittlerweile so weiterentwickelt haben, dass man nicht nur das Balldominanzspiel beherrscht, sondern auch ein Zurückziehen mit massiver erfolgreicher Verteidigung. De facto haben diese Trainer das System weiterentwickelt. Würde Guardiola hier mitmachen, dann wäre sein Führungsanspruch als bester Trainer weg, er würde kopieren. Verzweifelt und stur hält er wohl deshalb an seinem ausschließlichen Dominanz- und Angriffsspiel fest. Guardiola will der Größte sein, darum geht es ihm!

Simeone beherrscht mit Atleticó Madrid, ohne sich die Weltstars wie Real und Barcelona leisten zu können, sowohl Balldominanz wie auch rigoroses verteidigen im und am eigenen Strafraum. Zidane, erst in der laufenden Saison zum Cheftrainer bei Real Madrid befördert, stellt sofort das Spielsystem in die gleiche Richtung der Madrilenen um.

Zidane hat auf der wichtigen Sechserposition mit dem Brasilianer Casemiro einen Weltklasse-Abräumer eingebaut, der auf Real Madrid Niveau eher beschränkte Fußballkunst zu bieten hat.

Die Statistik der letzten vier Champions League Finales zeigt eindeutig, dass diese Weiterentwicklung, Angriffsdominanz und Abwehrdominanz gleichzeitig zu beherrschen, die reine Angriffsdominanz nach Lehre von Guardiola abgelöst hat. Nur mit Barcelona stand ein einziges Team mit überwiegend offensiver Ausrichtung unter den letzten acht Finalisten.

Das sind die Fakten. Auch Barcelona musste sich in den letzten vier Jahren dreimal beugen. Guardiolas persönliches Ziel, um seine Ausnahmestellung wiederherzustellen, kann aber nur in den Spielen in der Champions League sein, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, eine Titel-Mannschaft mit seiner ihm eigenen Angriffsdominanz vom Spielfeld zu fegen. Wenn das nicht gelingt, ist Pep Guardiola seinen Spitzenplatz los und muss sich hinter Carlo Ancelotti, Diego Simeone, Zinédine Zidane, Luis Enrique oder auch Massimiliano Allegri anstellen.

Es ging wohl nicht um den FC Bayern München, es ging um Guardiolas Welttrainer-Anspruch im Spielsystem und taktische Finessen, die zu haarsträubenden Aufstellungen und Taktiken in der Champions League führte. Bundesliga und Champions League Gruppenphasen sind kein Maßstab. Gegen Atlético und Real Madrid oder gegen den FC Barcelona kommt man nur weiter, wenn man fehlerfrei arbeitet und die optimale, zeitgerechte Taktik spielen kann.

Wieder keine Verstärkung für die Defensive
Die Mannschaft an sich erschien auf den ersten Blick stärker, weniger anfällig. Mit Douglas Costa, Kingsley Coman und Arturo Vidal kamen echte Verstärkungen dazu und schufen mehr Unabhängigkeit von den verletzungsanfälligen Weltklasseleuten Franck Ribéry und Arjen Robben. Verdächtig aber, dass mit Mitchell Weiser und Dante zwei aus dem Defensivblock abgegeben wurden und dass ohne jeglichen erfahrenen Ersatz! Ist es beim FC Bayern München wirklich niemandem aufgefallen, dass man wie gegen Real Madrid (5 Tore) vor zwei Jahren und auch in der Vorsaison hauptsächlich an der Defensivschwäche scheiterte (0:3! in Porto und 0:3! in Barcelona).

Viertelfinale
Schon fast im Viertelfinale gegen Juventus Turin ausgeschieden
Im Achtelfinale spielte Bayern zuerst auswärts beim letztjährigen Finalisten Juventus Turin.
Da man keine Abwehrspieler holte und zusätzlich Verletzungspech hinzukam, spielte man mit der „Zwergen“-Abwehr: Lahm, Kimmich, Alaba und Bernard, die eine Durchschnittsgröße von 174 cm vorweisen konnten, dabei spielte Alaba erstmals Innenverteidiger und der junge, unerfahrene Mittelfeldspieler Kimmich erstmals in der Abwehr. Das Spiel nach vorne gelang, aber hinten war man löchrig wie ein Schweizer Käse. Juventus vergab in der ersten Halbzeit bereits sogenannte „Hundertprozentige“ und als in der zweiten Halbzeit Juventus Druck machte, war der Widerstand der „Kleinen“ nicht vorhanden.
Das Ergebnis aber passte und zwei Tore gegen die Abwehrkünstler in deren Stadion ist zum Vorzeigen.

Da war sie wieder, die Chance für Guardiola, zu zeigen, dass seine Angriffsspielweise unübertroffen ist. Das Bollwerk Juventus und den in den letzten Jahren besten Torhüter der Welt, Buffon, mit vielen Toren zu demütigen, könnte das ramponierte Guardiola Image kräftig aufpolieren.
Und es gelang. Zusammen mit der Verlängerung schoss man vier Tore, insgesamt in beiden Spielen sechs. Soviel kassiert Buffon in einer ganzen Halbserie nicht. Der Preis war hoch, denn Juventus führte zur Halbzeit in München bereits 2:0 und vergab dabei noch reihenweise beste Chancen. Das 2:2 mit einem Tor von Müller in der 92. Minute war äußerst glücklich. Eigentlich war man schon ausgeschieden.

Obwohl Martinez wieder fit war, ließ Guardiola im Viertelfinal Heimspiel gegen Benfica Lissabon wieder seine Zwergen-Abwehr auflaufen. Auf der Bank saß auch der Routinier Xavi Alonso. Wieder bedingungslos nach vorne ausgerichtet, es spielte wohl die offensivste Mannschaft aller Zeiten beim FC Bayern. Die Spieleröffnung grandios und bald nach dem 1:0 riss der Faden. Mehrere Topchancen und ein nicht gegebener Elfmeter für die Portugiesen brachten einen schmeichelhaften Sieg.
In Lissabon dann endlich die konservative Variante mit Martinez in der Innenverteidigung und den erfahrenen Alonso auf der Sechserposition vor der Abwehr. Mit dieser Variante ließ man Benfica während der 90 Minuten nie richtig ins Spiel kommen und führte bis kurz vor Schluss. Benfica hätte noch drei Tore gebraucht, um weiter zu kommen. Ein im Rückspiel ungefährdeter Einzug in die nächste Runde.

Mit Guardiolas Aufstellung und Taktik hatte Bayern gegen Atletico Madrid keine Chance
Wie gegen Real Madrid verlor Guardiola im Alleingang durch seine Fehler das Spiel. Man spielte gegen das abgezockteste Team der Welt. Einmal 1:0 zurückliegen, selbst im ersten Spiel, bedeutet hier in der Regel bereits das Ausscheiden. Atletico hat sich auch gegen Barcelona und Real Madrid in den Begegnungen der letzten Jahre nicht nur einmal durchgesetzt. Markenzeichen aller Spiele: wenig Tore.

Was Guardiola geritten hat, Müller und Ribery auf die Bank zu setzen, ist nicht erklärbar. Müller war gerade in Topform und hatte in der Champions League schon acht Tore erzielt. Ribery ist in einem Halbfinale für jeden Gegner eine Nummer, die Angst einflößt. Und beide Schlachtschiffe, unangenehme Spieler, genau richtig für Atletico. Dafür durften die Schönspieler, das ist gar nicht abwertend gemeint, Thiago und Bernard ran. Beide sahen bis das Spiel entschieden war, das von Atletico von der ersten Sekunde an konzentriert, bissig, zweikampfstark, selbstbewusst, jeden Meter umkämpfend und trotzdem mit schnellen Spielzügen ausgestattet war, überhaupt keinen Ball.

Das Rückspiel war nur Formsache. Wenn ein Hin- und Rückspiel knapp ausgeht, kommt Atletico weiter. Bayern hatte nie eine richtige Chance. Gegen Atletico im Halbfinale kann man sich keine Experimente leisten. Die Ansage Guardiolas, er wollte die Spanier aufstellen, da die den Hexenkessel von Madrid schon kannten, war völlig daneben. Gerade die Spanier waren die schwächsten Spieler im Bayern-Team. Aber auch nicht logisch, denn Atletico schlägt gerade in der spanischen Liga regelmäßig die spanischen Spitzenteams. Also genau umgekehrt wäre ein Schuh daraus geworden, die Spanier im Münchner Team auf das notwendige Minimum zu reduzieren und mit den Spielern anzutreten, die für Atletico ungewohnt sind.

„Guardiola soll sich krank melden, wenn er gegen spanische Teams spielt“
Auch gegen das dritte spanische Team war Guardiola chancenlos. Nach Real und Barcelona war Atletico und insbesondere Trainer Simeone im Champions League Halbfinale dem Trainer Guardiola deutlich überlegen. Guardiola hatte in den Spielen gegen Simeone maximal Lehrlingsstatus.

Resümee: Guardiola verlässt den FC Bayern und ist international gescheitert, ja demontiert. Er wollte nicht das Beste aus dem FC Bayern München herausholen, nein, er wollte der Welt beweisen, dass das Guardiola-System alles überragt. In Manchester bei City setzt sich das Drama von München fort. Er bekommt eine Bomben-Mannschaft, Geld spielt dabei keine Rolle. Mit diesem Potenzial spielte er nun in der Premier League sehr gut, aber bei der ersten Reise in der CL nach Spanien, zum FC Barcelona, setzt es eine 4:0 Niederlage. Die spanische Presse verspottet ihn reihenweise mit deftigen Sprüchen, macht sich über ihn lustig.

About The Author: Sabine Federl

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