RB Leipzig – Timo Werner – Die Schwalbe

Umfassende Analyse und Ergebnisse

Vorgang

Es war eine Schwalbe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Spielausgang beeinflusst hat, d.h. RB Leipzig hat 3 Punkte, wahrscheinlich 2 Punkte zu viel, und Schalke 04 kein Unentschieden, also einen Punkt zu wenig.

Die Gesamtaktion von Timo Werner ist selbst für Schwalben etwas Besonderes. Er hebt nach seinem berührungslosen Hinfaller nach erfolgtem Elfmeterpfiff den Daumen in Richtung Schiedsrichter und verwandelt den Elfmeter auch noch eiskalt selbst. Danach jubelt er ausgiebig in der Fankurve, lässt sich feiern.

Die Fragen, die sich stellen

Ist Timo Werner frech oder clever, unsportlich oder im fairen Bereich?

Das gilt es im Nachfolgenden zu diskutieren, aufzuhellen und vielleicht zu entscheiden.

Die Fakten

Die Spieler stehen unter einem irrsinnigen Druck und werden mit aller Macht und psychologischen Tricks dahin gebracht, unbedingte Erfolgsgier aufzuweisen.

Im laufenden Spiel, insbesondere in der Anfangsphase sogar extrem, ist man aufgeregt, steht unter gewaltiger Anspannung und kann nicht die Rationalität, die man außerhalb des Wettspiels besitzt, abrufen.

Man weiß nicht, ob man nicht gewaltigen Ärger vom Trainer und den Mitspielern bekommt, wenn man ein wichtiges Tor, für das man die ganze Woche gearbeitet hat, wieder hergibt, de facto verschenkt. Das gleiche gilt auch für die Fans. Es gibt keinen Fall, bei dem sich ein Heimpublikum nicht über einen Elfmeter gefreut hat, auch wenn er völlig ungerechtfertigt war.

Betrachten wir die Beteiligten:

Der Torwart schmeißt sich in die Laufbahn des Stürmers, obwohl er keine Chance hat, den Ball vor Timo Werner zu bekommen. Er verschafft sich damit einen Vorteil, geht aber das Risiko ein, dass der Spieler, selbst wenn er im letzten Moment dann noch versucht zurückzuziehen, über ihm zu Fall kommt, was dann einen Elfmeter nach sich zieht. Unabhängig davon, ob der Stürmer nicht mehr ausweichen kann oder ob er bewusst einfädelt. Bei letzterem ist dies auch gar nicht zu erkennen, wenn der Stürmer dies geschickt macht.

Wie gehen die Gegenspieler des Stürmers mit der Fairness um?

Von der untersten Klasse bis in den Profibereich hinein,  verwenden die Gegenspieler alle unerlaubten Mittel, um den Stürmer am Torerfolg zu hindern. Es gibt kein Fußballspiel ohne mehrfach geahndetes Foulspiel. Die Verteidiger verwenden dabei unterschiedliche Mittel. Die Range geht von fast körperlosem Gegenspiel, ein wenig Halten und Klammern oder Wegschieben bis zu regelmäßigen schweren Fouls, wie Blutgrätschen, Ellbogen-ins-Gesicht-Schläge oder Anspucken. Letzteres sind die negativen Ausblühungen, die jedermann verurteilt.

Die Spielregeln erlauben Unfairness. Bei einem schweren Foul mit Verletzungsrisiko, beispielsweise, wenn ein Spieler von hinten abgegrätscht wird, erhält dieser in der Regel eine gelbe Karte. Diese Unfairness bringt einen Vorteil, kann sogar ein Tor verhindern und bleibt im Spiel in den überwiegenden Fällen ohne Konsequenzen. Dies wird in wichtigen Spielen auf nationaler und internationaler Ebene schon auch systematisch  genutzt. Viele gelbe Karten, (……) wenn einer dann kurz vor dem Platzverweis steht, wird er ausgewechselt und der neue Spieler hat wieder „ein Foul frei“. So können starke Angriffsspieler sechs Mal und mehr schwer gefoult werden.

Resümee: Die Gegenspieler von Timo Werner verhalten sich in der Regel nicht fair, d.h. sie sind nicht darauf bedacht, keine Fouls zu machen oder sich nicht durch ein Foul einen Vorteil zu verschaffen.

Wichtig ist, das dazu gehörende  umgekehrte Ereignis zu betrachten. Der Stürmer wird vom Torwart oder dem Verteidiger klar und nach der Regel elfmeterreif gefoult. Der Schiedsrichter gibt, ein üblicher Vorgang eines jeden Spieltages einer jeden Klasse, den Elfmeter nicht. Dann müsste analog der foulende Verteidiger zum Schiedsrichter gehen und sagen „das war Elfmeter“. Dies ist aber in noch keinem Fall publik geworden, das heißt im umgekehrten Fall zieht die verteidigende Mannschaft jedes Mal diesen Vorteil, selbst wenn er spielentscheidend ist.

Ein Spiel kann eine Vorgeschichte haben. Beispielsweise im letzten Spiel gegen den gleichen Gegner oder den  gleichen  Gegenspieler, wird der Spieler absichtlich gefoult, ohne dass der nach der Regel fällige Elfmeter gegeben wird. Im nächsten Spiel erhält er durch eine Schwalbe einen ungerechtfertigten Elfmeter. Hier steht die Beurteilung „was ist fair“ auf einer ganz anderen Abwägung. Die Reporter sprechen dann, wenn beide Vorgänge in einem Spiel zusammen treffen, von einer ausgleichenden Gerechtigkeit oder ausgleichenden Ungerechtigkeit.

Kann man den Vorteil einer erfolgreichen Schwalbe als Ausgleich zu  einem nicht gegebenen, aber regelgerechten Elfmeter sehen?

Klar ist auch, dass die Stürmer deutlich mehr an sich verursachten Elfmeter nicht zugesprochen bekommen, als umgekehrt, einen geschenkten Elfmeter erhalten. Dies liegt hauptsächlich an der Vorgabe der Schiedsrichter, den Elfmeter nur dann zu pfeifen, wenn es für sie zweifelsfrei ist.

Wer selbst intensiv Fußball gespielt hat weiß, dass bei der hohen Geschwindigkeit der Abläufe und der Anspannung sogar eine Irrtumswahrscheinlichkeit des „gefoulten“ Spielers vorliegt. Die Situation von Timo Werner kann dies aber nicht für sich in Anspruch nehmen. Aber generell gilt, dass der betroffene Stürmer die Situation gar nicht 100%ig korrekt werten kann. Dies ist auch in den Spielregeln nicht vorgesehen. Dafür, zur letztendlichen Beurteilung, ist der Schiedsrichter bzw. das Schiedsrichtergespann am Platz.

 

DFI Analyse und Ergebnisse

Im Regelwerk des Fußballs ist ein gewisser Freiraum für Unfairness vorhanden. Es gehört zur Eigenheit des Spiels, dass mit einem gewissen Maß an Unfairness spielentscheidende Vorteile generiert werden können. Weltmeisterschaften, Champions-League Siege und deutsche Meisterschaften sind schon so entschieden worden.

Einen Elfmeter zu „schinden“ gehört genauso zum Spiel, wie ein Tor mit unfairen Mitteln zu verhindern. Würde man dies persönlich ächten, muss zwingend auch das unfaire Verhindern eines Tores in selber Weise geächtet werden.

Dass Timo Werner den Elfmeter rausgeholt hat ist nicht verwerflich, da dies über das Regelwerk auch nur mit einer gelben Karte bei Aufdeckung durch den Schiedsrichter geahndet wird.

Dass er in der Spielunterbrechung die Schwalbe nicht zugibt ist solange nicht verwerflich, solange von unfairen Torverhinderern auch nicht die freiwillige Korrektur – Herr Schiedsrichter, das war ein Foul, das Sie wohl nicht gesehen haben, bitte geben sie gegen uns einen Elfmeter – verlangt wird.

Die Art und Weise wie es Timo Werner gemacht hat ist aber verwerflich, nicht in Ordnung. Zustimmungsdaumen und öffentlicher Triumph sind nicht angebracht. Dass hier an seiner Person Kritik hereinprasselt muss er aushalten. Timo Werner ist noch ein sehr junger Spieler, der das erste Mal richtig in das internationale Rampenlicht gerückt ist. Einen Fehler hat jeder junge Mann frei. Er hat seine Schwalbe richtigerweise auch schon zugegeben. Bei der nächsten kniffligen Situation muss er zeigen, dass er dazugelernt hat, sonst ist sein Ruf beschädigt.

Wenn die Fußballwelt der Meinung ist, dass bei „Schwalben“ etwas zu ändern ist, dann muss entweder der Videobeweis forciert werden, oder das absichtliche Vergehen – Schwalbe mit Elfmeterforderung – mit Platzverweis geahndet werden. Doch sollte bedacht werden, dass dann eine Ungerechtigkeits-Lücke zum nicht gegebenen Elfmeter aufklafft.

Der Schiedsrichter des Leipzig – Schalke Spiels hätte natürlich seine in den TV-Bildern sichtbar gewordene Unsicherheit insofern verbessern können, in dem er Timo Werner befragt hätte. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hätte bei direkter und zielgerechter Ansprache von Timo Werner dann doch eine Korrektur erreicht werden können.

Es gibt Vergehen, wie Blutgrätsche und Schläge in das Gesicht, die weitaus verwerflicher sind als Timo Werners erfolgreiches Elfmeterschinden. Hier ist viel höherer Handlungsbedarf.

Last but not least, der Fußball lebt durchaus auch von Ungerechtigkeiten. Wembleytor, Gladbach-Inter Büchsenwurfspiel oder Frankreichs Handstreich zur WM Südafrika sind nur ein Ausschnitt von echten Meilensteinen des Fußballs, basierend auf katastrophalen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Ein „Durch und Durch“  fairer und gerechter Spielablauf, wie auch immer man diesen herzustellen vermag, würde dem Fußball schon auch nicht wenig an Würze und Charisma nehmen.

About The Author: Sabine Federl

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